Ernährung und HBOT: Was Sie vor und nach der Sitzung beachten sollten
Welche Ernährungsgewohnheiten können eine HBOT-Behandlung sinnvoll begleiten — und was sollte man besser meiden? Ein praktischer Überblick für Patienten.
Wer eine hyperbare Sauerstofftherapie beginnt, fragt sich früher oder später: Gibt es etwas, das die Behandlung unterstützt — oder beeinträchtigt? Die Antwort ist ja, auch wenn die Forschungslage dazu weniger umfangreich ist als zur Therapie selbst. Einige Prinzipien sind gut begründet, andere beruhen auf physiologischen Überlegungen und klinischer Erfahrung.
Vor der Sitzung: Nicht mit vollem Magen
Wer sich kurz nach einer großen Mahlzeit in eine Druckkammer setzt, wird das möglicherweise bemerken: Blähungen, Druckgefühl, manchmal Übelkeit. Der erhöhte Umgebungsdruck verändert das Gasvolumen im Verdauungstrakt — das kann bei vollem Magen unangenehm werden.
Empfehlung: Zwei bis drei Stunden vor der Sitzung keine schweren Mahlzeiten. Ein leichter Snack ist in der Regel unproblematisch. Wer nüchtern schlecht toleriert, kann eine kleine, leicht verdauliche Mahlzeit einplanen.
Hydration: Oft unterschätzt
Sauerstoff wird im Blutplasma gelöst transportiert — ausreichend Flüssigkeit ist dafür wichtige Grundvoraussetzung. Dehydration beeinträchtigt die Sauerstoffversorgung des Gewebes und kann Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen nach der Sitzung begünstigen.
Empfehlung: Gut hydriert in die Sitzung gehen. Vor allem Patienten mit Fatigue, die ohnehin wenig trinken, sollten das bewusst im Blick behalten. Wasser oder ungesüßte Kräutertees — kein Alkohol, keine Energy-Drinks.
Alkohol: Besser weglassen
Alkohol wirkt gefäßerweiternd, beeinflusst die Herzfrequenz und verändert die Art, wie Sauerstoff im Gewebe verwertet wird. Im Kontext einer Sauerstofftherapie ist das ungünstig. Außerdem kann Alkohol den Schlaf beeinträchtigen — und erholsamer Schlaf ist für die meisten unserer Patienten ohnehin schon ein knappes Gut.
Empfehlung: Am Abend vor und am Tag einer Sitzung auf Alkohol verzichten.
Antioxidantien: Der unerwartete Punkt
Hier lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen — denn die Intuition täuscht. Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen nehmen hochdosierte Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E, N-Acetylcystein, Alpha-Liponsäure). Das ist in vielen Kontexten sinnvoll. Bei HBOT aber gibt es eine Besonderheit.
HBOT wirkt nicht einfach durch mehr Sauerstoff allein. Ein Teil des Wirkmechanismus läuft über einen kontrollierten oxidativen Reiz, der sogenannte adaptive Prozesse anstößt — Gefäßneubildung, mitochondriale Anpassung, neuroplastische Reaktionen. Hochdosierte Antioxidantien können diesen Signalweg abschwächen, wenn sie unmittelbar vor der Sitzung eingenommen werden.
Empfehlung: Hochdosierte Antioxidantien-Präparate nicht direkt vor der Sitzung einnehmen. Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden, besser auf den Abend oder nach der Sitzung verschieben. Lebensmittel mit natürlichem Antioxidantiengehalt (Beeren, Gemüse) sind davon nicht betroffen — hier sind die Mengen physiologisch, nicht pharmakologisch.
Mikronährstoffmängel bei Post-COVID: ein unterschätzter Faktor
Dass viele Post-COVID-Patienten trotz konsequenter Behandlung kaum vorankommen, hat oft mehrere Ursachen. Eine davon wird im klinischen Alltag noch zu selten systematisch untersucht: Mikronährstoffmängel.
Die Forschung zeigt zunehmend, dass Post-COVID mit messbaren Defiziten bei bestimmten Nährstoffen einhergeht — nicht zufällig, sondern als direkte Folge der Erkrankung. Chronische Entzündungsprozesse, mitochondrialer Stress und ein dauerhaft aktiviertes Immunsystem verbrauchen Ressourcen. Was dabei aufgebraucht wird, fehlt dann für die Erholung.
Besonders gut dokumentiert sind Mängel bei:
- Coenzym Q10 — Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette; bei Long-COVID-Patienten nachweislich reduziert (Studie: Mitochondriale Funktion und CoQ10-Spiegel nach COVID-19). Eine klinische Studie (116 Patienten) untersuchte die kombinierte Gabe von CoQ10 und Alpha-Liponsäure über zwei Monate — mit bemerkenswerten Ergebnissen bei schwerer Fatigue
- B-Vitaminen (B1, B2, B3, B12) — Cofaktoren im Energiestoffwechsel; B12-Mangel erzeugt eigenständig Symptome, die sich mit Post-COVID überlappen: Erschöpfung, kognitive Störungen, Neuropathie (Studie: Mikronährstoffmängel bei COVID-19)
- Magnesium — bei Long-COVID-Patienten nachweislich reduziert, beteiligt an mehreren hundert enzymatischen Prozessen (Studie: Hypomagnesiämie und Vitamin-D-Mangel bei Long-COVID)
- Omega-3-Fettsäuren — entzündungsmodulierend; in der Forschung u.a. im Zusammenhang mit Neuroinflammation und Brain Fog untersucht (Studie: Omega-3 bei Long-COVID, RCT 2024)
Ein Hinweis zur Einordnung: Die oben beschriebenen Mängel entstehen nicht durch schlechte Ernährung, sondern als Folge der Erkrankung selbst — der Körper verbraucht unter chronischem Stress und Entzündung mehr, als er aufnehmen kann. Hinzu kommt, dass bei einem Teil der Post-COVID-Betroffenen die Darmschleimhaut in ihrer Funktion beeinträchtigt ist: Eine gestörte Darmbarriere (intestinale Hyperpermeabilität, umgangssprachlich auch „Leaky Gut”) in Kombination mit veränderter Darmflora (Dysbiose) kann dazu führen, dass Nährstoffe schlechter aufgenommen werden — ein Phänomen, das als Malabsorption bezeichnet wird. Der Mangel entsteht dann nicht trotz ausreichender Zufuhr, sondern weil der Darm sie nicht verwerten kann.
Gleichzeitig ist die Therapiephase ein guter Moment, die eigene Ernährung grundsätzlich in den Blick zu nehmen — auch für Menschen, die sich damit bisher wenig beschäftigt haben. Nährstoffe über Lebensmittel aufzunehmen ist dabei immer der erste und sinnvollste Weg: Beeren, Nüsse, Hülsenfrüchte, Fisch, Blattgemüse. Präparate kommen ergänzend ins Spiel, wenn der Bedarf anders nicht zu decken ist.
Ärztlich begleiten lassen — nicht selbst dosieren
Hier ist Vorsicht angebracht: Selbstmedikation mit hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln ist bei Post-COVID keine gute Idee. Nicht weil die Nährstoffe irrelevant wären — im Gegenteil. Sondern weil ein tatsächlicher Mangel diagnostisch festgestellt werden sollte, bevor substituiert wird. Die Dosierung hängt vom Befund ab, manche Kombinationen beeinflussen sich gegenseitig, und einzelne Präparate können — wie im Abschnitt zu Antioxidantien beschrieben — im falschen Moment die Therapiewirkung abschwächen.
Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor dem unkontrollierten Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln bei Long COVID. Das entspricht unserer Haltung: Substitution ja, wenn ein Mangel vorliegt — aber ärztlich begleitet, labordiagnostisch gestützt und in den Gesamtbehandlungsplan integriert.
Wir sprechen das Thema im Rahmen unserer Erstgespräche an und können auf Wunsch auf entsprechende Diagnostik hinweisen.
Nach der Sitzung: Ruhephase einplanen
Was nach der Sitzung passiert, ist kein Randthema. Der Körper verarbeitet den therapeutischen Reiz in den folgenden Stunden — das kostet Energie. Eine leichte, nährstoffreiche Mahlzeit danach ist sinnvoll. Schwere Mahlzeiten, Alkohol oder intensive körperliche Belastung direkt nach der Sitzung sind weniger günstig.
Für Patienten mit ausgeprägter Fatigue gilt: Die Ruhephase nach der Sitzung ist Teil der Behandlung, nicht verlorene Zeit.
Aus unserer Erfahrung
Was wir in Erstgesprächen häufig feststellen: Patienten haben oft bereits umfangreiche Supplementierungs-Routinen — manchmal sinnvoll zusammengestellt, manchmal wenig aufeinander abgestimmt. Wir schauen uns das gemeinsam an und geben Hinweise, was im Kontext der HBOT besonders relevant ist. Eine pauschale Empfehlung für alle gibt es nicht — zu unterschiedlich sind Ausgangslage, Medikation und individuelle Verträglichkeit.
Beratungsgespräch
Fragen zur Therapiebegleitung, Ernährung oder Supplementierung? Wir nehmen uns im Erstgespräch die Zeit dafür.