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Forschung 5 Min. Lesezeit

Charité-Studie auf der ME/CFS-Konferenz 2025: HBOT bei ME/CFS und Post-COVID

Dr. Laura Kim von der Charité Berlin stellt auf der Internationalen ME/CFS-Konferenz 2025 Daten zu hyperbarer Sauerstofftherapie vor — 40 Sitzungen, Verbesserungen bei Fatigue, Schmerz und kognitiver Leistung.

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Charité-Studie auf der ME/CFS-Konferenz 2025: HBOT bei ME/CFS und Post-COVID

Auf der Internationalen ME/CFS-Konferenz 2025 hat Dr. Laura Kim von der Charité - Universitätsmedizin Berlin Daten aus einer laufenden Studie zu hyperbarer Sauerstofftherapie (HBOT) bei Patienten mit ME/CFS und anhaltenden Post-COVID-Beschwerden vorgestellt. Der Vortrag ist als Aufzeichnung verfügbar.

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Dr. Laura Kim — Internationale ME/CFS-Konferenz 2025

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Was wurde untersucht?

30 Patienten mit ME/CFS (90 % mit COVID-19 als Trigger, mittlere Krankheitsdauer 27 Monate, Bell-Score 38/100) erhielten 40 HBOT-Sitzungen nach folgendem Protokoll: 2 ATA, 100 % Sauerstoff, 90 Minuten, 3–5× pro Woche, mit Atempausen alle 20 Minuten für 5 Minuten. Vor und nach der Therapie wurden Fragebögen (SF-36, Chalder Fatigue Scale, Bell Score), MRT, Labortests (u.a. GPCR-Autoantikörper, Microclots, Spike-Protein, Proteomik) und körperliche Leistungstests durchgeführt.

Wirkmechanismen im Fokus

Dr. Kim erläutert im Vortrag die pathophysiologischen Hypothesen, auf denen der Therapieansatz basiert:

  • Verbesserung der Gewebeoxygenierung durch physikalisch gelösten Sauerstoff im Plasma
  • Der sogenannte „Hyperoxie-Hypoxie-Paradox”-Effekt: kurzzeitige Hyperoxie stimuliert Reparaturmechanismen
  • Förderung der Gefäßneubildung (VEGF)
  • Verbesserung der Mitochondrienfunktion
  • Entzündungsmodulation

Ergebnisse

Die Therapie wurde gut vertragen. Nebenwirkungen waren häufig, aber mild und reversibel: Druckgefühl oder leichte Ohrenschmerzen (43 %), vorübergehende Kurzsichtigkeit (57 %). Keine schweren oder dauerhaften Nebenwirkungen. Kein Patient brach die Behandlung wegen PEM-Verschlechterung oder ME/CFS-Symptomzunahme ab.

Nach 40 Sitzungen zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen bei:

  • SF-36 Physical Functioning (körperliche Funktion): signifikant (p < 0,01)
  • Chalder Fatigue Scale: signifikant, Effekt bis Monat 3 nachweisbar (p < 0,001)
  • SF-36 Schmerz: signifikant (p < 0,05), anhaltend bis Monat 3
  • SDMT (kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit): signifikant (p < 0,05)
  • Handkraftstärke: signifikant (p < 0,05)
  • 1-Minuten Sit-to-Stand-Test: signifikant (p < 0,01)

23 von 30 Patienten stimmten der Aussage zu, dass sich ihr Beschwerdebild durch HBOT verbessert habe. 26 von 30 würden die Therapie zu einem späteren Zeitpunkt erneut durchführen.

Ein auffälliger Befund: Der Herzfrequenzanstieg beim passiven Stehtest war nach der Therapie stärker ausgeprägt als zuvor (p < 0,001) — ohne dass die Patienten klinisch eine Verschlechterung berichteten. Die Bedeutung dieses Befunds ist noch offen.

Warum 40 Sitzungen?

Eine schwedische Studie mit nur 10 HBOT-Sitzungen bei ME/CFS-Patienten fand keinen Unterschied zur Placebo-Gruppe. Eine israelische Studie (Efrati-Gruppe) mit 40 Sitzungen bei Post-COVID-ähnlichen Beschwerden zeigte dagegen deutliche Verbesserungen. Die Charité-Studie greift diese Erfahrung auf und untersucht zusätzlich, ob 20 Sitzungen ähnliche Effekte erzielen wie 40.

Für wen ist HBOT bei ME/CFS geeignet?

ME/CFS ist eine heterogene Erkrankung — was bei einem Phänotyp untersucht wird, lässt sich nicht pauschal übertragen. Besonders sorgfältig abzuwägen ist HBOT bei:

  • sehr schwerer ME/CFS
  • ausgeprägter Post-Exertional Malaise (PEM)
  • instabiler Orthostase (POTS)
  • wenn bereits die Anfahrt oder die Sitzungen selbst zur Belastung werden

In diesen Situationen ist eine individuelle Risikoabwägung unabdingbar.

Offene Fragen

Dr. Kim betont im Vortrag ausdrücklich, was noch nicht bekannt ist:

  • Ob 20 Sitzungen ähnliche Effekte erzielen wie 40
  • Welche Patientenuntergruppen am meisten profitieren
  • Wie lange Effekte anhalten
  • Ob normale Sauerstoffgabe ohne Druckerhöhung vergleichbar wäre

Einordnung

Diese Daten stammen aus einer Studie ohne klassische Placebo-Kontrollgruppe, mit einer begrenzten Fallzahl. Sie erlauben keine abschließenden Schlüsse — liefern aber konkrete Signale, die weitere kontrollierte Studien rechtfertigen. Die Charité-Gruppe gehört zu den wenigen europäischen Einrichtungen, die HBOT bei ME/CFS systematisch erforschen.

Für Betroffene, die HBOT als ergänzenden Ansatz erwägen, bleibt eine individuelle Beratung entscheidend — besonders angesichts der Belastung durch ein 40-Sitzungen-Protokoll bei Patienten mit PEM.

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